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Da die ifra Expo (04. – 06.10.2010 in Hamburg) näher rückt, auf der wir unsere E-Publishing-Lösung vorstellen werden, ist es höchste Zeit, den zweiten Teil zur Vorstellung unseres E-Publishing-Ansatzes zu schreiben.
Zur Erinnerung: Unsere Prämissen lauten wie folgt
- Unterstützung von Tablets und E-Readern
- Konsequenter Einsatz von Webtechnologien und -standards zur Bereitstellung und Darstellung der Inhalte.
- Darstellung der Inhalte mit nativen Technologien nur dann, wenn diese einen funktionalen Mehrwert bieten oder die Einschränkungen der mobilen Geräte dies notwendig macht
- E inbeziehung von “Digital Replica” und “Digital Magazine” Ansätzen
- Integration von Print- und Online-Inhalten
- Konzentration auf die effiziente und effektive Produktion auf Basis existierender Inhalte und Systeme (Print und Online)
- Sowohl Full Service als auch Arbeit in Kooperationen und Netzwerken
Gerd hat bereits über die ersten vier Punkte geschrieben und damit vor allem den technologischen Ansatz umrissen. Ich werde mir heute die weiteren Essentials unserer Postionierung vornehmen, die viel mit Prozessen zu tun haben.
Integration
Als Unternehmen im dpa-Verbund sind wir ein “Gemeinschaftsunternehmen” der deutschen Medienhäuser. Somit kennen wir die Gegebenheiten der Branche und können uns auf die Systemlandschaft der Verlage einstellen; inklusive getrennter Systeme für Print und Online, merkwürdiger XML-Outputs und überschaubarer Metadaten. Wir docken uns an die Redaktionssysteme der Verlage an (und schauen, ob noch das eine oder andere Metadaten-Feld mit-exportiert werden kann, aber dazu mehr im nächsten Punkt).
Wir glauben, allein mit einem Subset der Inhalte eines Verlages auf einem multimedialen, vernetzten Gerät wenig gewinnen zu können (erst recht nicht, wenn es um “Paid Content” gehen soll). Es wird nicht reichen, einfach die Inhalte aus der Zeitung weitgehend 1:1 auf das iPad zu transportieren. Es kommt wohl eher darauf an, zum Einen alle verfügbaren Typen von Inhalten zu integrieren und so die Basis für sinnvolle multimediale Angebote zu legen. Zum Anderen darauf, sich bei der Produktentwicklung Gedanken darüber zu machen, worum es in dem E-Publishing-Produkt geht – und was dafür auch nicht gebraucht wird. Ein großer Content-Berg ist wenig profiliert und dürfte an den Zielgruppen vorbei gehen, die Interesse für Inhalte eines Zeitungsverlages auf Tablets hegen.
Aus diesen Gedanken folgt die nächste Herausforderung: wie wir dies erreichen wollen.
effektive & effiziente Produktion
Wer sich die Realität in vielen Verlagen ansieht, wird schnell merken: der Personalbestand ist dünn (oder zumindest dünner als in der Vergangenheit), und es ist nicht zu erwarten, dass dies sich in nächster Zeit ändern wird. Häufig hören wir aus Verlagen, man brauche eine Lösung für die “vollautomatische Produktion”. Das ist zwar richtig, auf der anderen Seite trotzdem problematisch.
Warum?
Richtig ist, dass Automatik eine wichtige Rolle spielen muss, insbesondere beim Layout von Inhalten. Solch “algorithmisches Layout” ist mehr als nur die optische Gestaltung; es betrifft auch Selektion, Gewichtung, Reihenfolge und Aggregation von Inhalten. Wir glauben, dass im E-Publishing-Umfeld die Prinzipen der Zeitungsproduktion schlicht nicht funktionieren. Das betrifft die Produkte und die Ausgabegeräte. Es wird nicht mehr “den einen Monolith”, sondern mittelfristig eine Vielzahl von Produkten für unterschiedliche Zielgruppen geben. Diese Vielfalt komplett manuell zu zu gestalten, wird kaum leistbar sein. Endgültig unmöglich wird es durch die Gerätevielfalt, die auf uns zukommt. Schon jetzt braucht man fürs iPad zwei Layouts: horizontal und vertikal. Das WeTab beispielsweise wird ein anderes Bildschirmformat haben – schon muss das ganze manuell komponierte Layout angepasst werden.
Es ist also in aller Regel ökonomischer Irrsinn, neue Producer einzustellen, um jede Seite für jedes Gerät manuell zu optimieren. Wer aber erkennt, dass attraktive Produkte auf einem “revolutionären” Device nicht vom Himmel fallen, muss sich Gedanken machen, wie die Inhalte effektiv und effizient auf das iPad & Konsorten gelangen. Sich bei digitalen Produkten sinnvoller Algorithmen zu bedienen, ist daher sehr vernünftig.
Natürlich sind wir uns dessen bewusst, dass es Grenzen für automatisierte Prozesse gibt. Insbesondere solange wir mit Editionen, also abgeschlossenen Ausgaben zu tun haben. Hier geht es auch um eine innere Stringenz, einen “runden Eindruck”, den auch ein gutes Metadaten-Set nicht immer gewährleistet. Algorithmisches Layout stellt für uns daher keinen Selbstzweck dar, sondern vielmehr ein Werkzeug für Verlags-Mitarbeiter, das in die Lage versetzt, attraktive Produkte zu gestalten.
Problematisch ist die Idee der “vollautomatischen Produktion”, weil in den meisten Verlagen (noch) nicht die Voraussetzungen existieren, sinnvoll mit algorithmischem Layout zu arbeiten. Es fehlen schlicht die notwendigen Metadaten. Diese sind aber notwendig, um ein visuell anspruchsvolles automatisiertes Layout zu erzeugen. Beispiele: Fotos lassen sich ins jeweils optimale Bildformat tranformieren, wenn Schneidmarken oder Bildschwerpunkte übermittelt werden. Die Darstellung von Artikeln und Übersichten gelingt umso besser und variantenreicher, je mehr kontextrelevante Information, beispielsweise Prioritäten für Stories, Tags für die Themenpaketierung, Links auf verwandte Inhalte und Kennzeichnung von Artikeltypen, verfügbar sind. Verlage, die in letzter Zeit ihre Abläufe auf crossmediales Publizieren umgestellt haben, genießen hier einen Vorteil; viele der nötigen Metadaten sind bereits in den Systemen vorgesehen und werden für die Website teilweise auch bereits erfasst.
Das alles geht natürlich sehr weit und wird wohl erst einmal Idealvorstellung bleiben. Tatsächlich müssen wir einen gangbaren Kompromiss finden, um auch bei den gegenwärtigen eingesetzten Redaktionssystemen einen funktionierenden Ansatz bereit zu halten. Da kann man zum Einen über Bande spielen. Manchmal enthalten Print-Outputs interessante Informationen zu Artikeln, aus denen man einige relevante Metadaten ableiten kann. Diese Analyse ist ein obligatorischer Teil unserer Arbeit. Doch grundsätzlich halten wir uns an folgende Gleichung: Je weniger Ressourcen und je weniger technische Intelligenz als Input geliefert werden kann, desto höher der Grad an Standardisierung bei der Ausgaben-Erstellung. Dies ist der zwingende Trade-Off, solange die das einwandfreie Funktionieren sichergestellt sein soll.
Ein pragmatisches Vorgehen bedeutet auch, dass wir einige Elemente aus der Print-Welt, die häufig aufs iPad transferiert werden sollen, in unserem Ansatz berücksichtigen: die aufwändige Infografik, die besonders magazinig gestaltete Seite oder PDFs der gesamten Print-Ausgabe als E-Paper-Ersatz. “Digital Replica” wie Seiten-PDFs, das scheint erst einmal weit weg von einem Ansatz, der Web-Technologien ins Zentrum stellt. Andererseits: So wie jedes Foto als Grafikdatei in ein HTML-Framework eingebunden ist, so kann grundsätzlich auch mit PDF-Dateien oder SVG-Grafiken verfahren werden. Die Herausforderung liegt eher darin, den komplett unterschiedlichen Produktionsprozess (siehe oben) reibungslos zu integrieren. Insofernaber passen sich diese “Digital Replica”-Elemente (siehe Blogpost von Gerd) durchaus in unser grundlegendes Konzept ein.
Kooperationsfähigkeit
Jetzt haben wir eine Fülle von Aspekten vorgestellt, über die wir uns Gedanken machen. Ein sinnvolles Technologiekonzept, geräteaäquates Design. Ein stimmiges User-Interface, ein nachvollziehbarer Aufbau. Inhaltliche Fragestellungen und Ansätze zur generelle Positionierung. Saubere Implementierung, effiziente Prozesse, Anbindung an bestehende Systemen. Wir glauben, das richtige Maß an Querschnitts- und Spezialwissen zu besitzen, um Verlage in allen Fragen des E-Publishings zur Seite zu stehen. Auch wenn wir noch so viele Ideen haben, die zu implementieren wir noch keine Zeit hatten, so sehen wir uns doch auf dem richtigen Weg und sind gespannt, unsere Arbeitsergebnisse möglichst schnell in Projekten mit Verlagen auszurollen.
Die Rolle der dpa-infocom als Gemeinschaftsunternehmen der Verlage bringt dabei unterschiedliche Konstellationen mit sich. Häufig, und nicht nur für kleinere Häuser, agieren wir als Full-Service-Anbieter. Andere Verlage wiederum sehen uns eher als Mitglied in einem Konsortium, welches gemeinsam an Setup und Betrieb arbeitet.
In beiden Rollen fühlen wir uns wohl. Wir sind immer daran interessiert, schon aus intellektueller Neugier, mit weiteren Partnern in Projekte einzutreten. Bei einem solchen kooperativen Ansatz, wenn es zum Wohle aller Beteiligten aufgesetzt ist, bereichern sich die Projektpartner wechselseitig. Und das ist letzten Endes gut für alle: Uns, einen weiteren Partner und den Verlag.
PS: Join the Team!
Klingt das spannend? Wir suchen einen Projektmanager (m/w), der unser Team verstärkt.
Wir suchen einen Kollegen, der uns bei der Betreuung von Verlagsprojekten unterstützt, als Schnittstelle zum operativen Betrieb agiert und sich auch bei Fragen der konzeptionellen Weiterentwicklung einbringt. Unverzichtbar ist dafür eine ausgeprägte “Mediendenke” – jemand, der sich insbesondere auf dem Zeitungsmarkt auskennt, eine Vorstellung davon hat, wie ein Verlag “tickt” und der sich für Themen zwischen “alter” und “neuer” Medienwelt begeistert. Wichtig ist auch ein gutes Technikverständnis – es geht nicht darum, jedes Details zu verstehen, aber auf Augabenhöhe zu diskutieren. Außerdem wir Wert auf das richtige “Mindset”: Wir suchen einen Kollegen, der wissbegierig und kommunkationsbegabt ist, und der Lust hat, sich in unserem kleinen Team einzubringen. Ideal wären erste Erfahrungen in einem Verlag, einer Agentur oder bei einem Mediendienstleister – aber Talent geht vor Erfahrung.
Wir sitzen in Hamburg am Mittelweg (nahe der Alster), der Job ist zunächst auf ein Jahr befristet.
Interesse? Dann gleich Kontakt aufnehmen mit Gerd Kamp, E-Mail: gerd.kamp@dpa-info.com